Ameise Fabeln plus Aufsätze und Lieder
I. Einige Weißbüchlein zu erleuchtenden Abendlektüren

"Reflexion ist die Brücke zwischen Erfahrung und Weisheit."1
Die ersten Unterseiten, "Sechs Unterhaltungen," "Test for Fun," "Frau im Vorstand," usw. sollten kurzweilige Ablenkungen des harten Arbeitstags bieten, über die man doch ein bißchen nachdenken kann. Die letzten zwei Artikel sind anspruchsvoller: (1) eine mathematische Handlung über die Optimierung eines Werbeetats und (2) ein kurzer Fragebogen über die am meisten bevorzugten Methoden für strategiesche Überlegungen.
Wir wollen aber gleich mit zwei Fabeln anfangen, die durchaus ernst zu nehmen ist. Herzlich empfehlen wir, sie in aller Ruhe sorgfältig zu betrachten und nüchtern darüber zu reflektieren.
I. DIE AMEISE FABEL und II. MIT HAPPY END
Die Fablen haben eine wahre Odyssee gemacht. Anscheinend stammt die erste aus Brasilien. Von dort gelang sie nach Indien, wo sie sich vermehrte. Im Laufe der Zeit haben die Nachkommen schwere Zeiten hinter sich. Sie haben die ganze Welt nicht nur umgerundet sondern auch getragen.
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Entweder unterwegs oder nach Ankunft in Indien bzw. in Europa gerät eine davon unter den Einfluß des Coachings. Diese reifte heran, um doppelt so groß und wesentlich kräftiger und findiger als ihre Geschwister zu werden. Mit einigen ihren Brüdern und Schwestern ist sie dazu gekommen, in Silicon Valley zu bleiben.
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Ein ungewöhnlicher und auffallender Zufall ist, daß in einer Geschichte über sie ein Coaching-Elefant (der sogar unserem Maskottchen sehr ähnlich aussieht) mitwirkt. Vermutlich deshalb wurde Bridges aufgefordert, dazu einen Kommentar abzugeben. Ein Klient unseres Webdesigners in Indien würde die Fabel für einige Präsentationen verwenden.
Tatsächlich haben wir mehrere Vorschläge unter anderem auch zu einer deutschen Version gemacht. Die wichtigtesten davon waren das Hawthorne Experiment sowie die Leasen-oder-Kaufen Entscheidung einzugliedern. Obwohl ein geplantes Meeting (während des Oktoberfestes) darüber nie zustande gekommen ist, merkten wir, daß diese zwei Hauptideen doch Verwendung fanden.
Mindestens ein Dutzend Ameise-Fabeln, darunter die zwei Coaching Versionen, haben ein schönes Zuhause in San Francisco gefunden. Dort sind sie wohlauf und glücklich bei der Firma Slideshare.4 In der zweiten Fabel, mit Happy End unterbreitet der Elefant dem Löwen einen Vorschlag. Er sollte sich über das Hawthorne Experiment und die Leasen-oder-Kaufen Entscheidung informieren.
Leider weder das eine noch die andere werden in den Folien weiter behandelt. (Vermutlich wurde Auskunft darüber absichtlich unterlassen, um dem Redner mehr Spielraum in seinem Vortrag zu gewähren.) Ungeachtet dessen fahren wir hier mit kurzen Erklärungen fort.
I. Das Hawthorne Experiment
Das Schicksal der emsigen Ameise nachdem ein modernes Management eingeführt wurde, um ihre Produktion zu steigern, sollte Sie zu einem (hoffentlich nicht reumütigen) Lächeln bringen. Einen ernsteren Ton anschlagend denken Sie an das Hawthorne Experiment. Ab 1924 verbrachte ein Harvard Business School Team einige Jahre damit, die Hawthorne Fabrik von Western Electric zu untersuchen.
Eine Testgruppe von fünf irischen Einwanderinnen wurde auserwählt und in einem getrennten Raum untergebracht. Dort haben die Frauen Telefon-Anschaltrelais zusammengestellt, was ihre normale Aufgabe in der Fertigungsanlage war. Die Harvard Akademiker wurden mit dem Experiment zunehmend frustriert. Manchmal führten sie Änderungen ein, um die Arbeit zu erleichtern und beschleunigen. Manchmal machten sie genau das Gegenteil - schwächere Beleuchtung, schlechtere Stühle bzw. gar keine Sitzplätze, usw.
Aber vollkommen egal, was unternommen wurde, war das Ergebnis immer das gleiche. Die Produktion steigerte, zuerst auf 49 Relais pro Stunde und dann dramatisch auf 68. Ein "60 pro Stunde" Tempo hatte man als nur möglich für einen Spurt von einigen Minuten erachtet. Diesen Widerspruch zu dem erwarteten Ergebnissen konnten die Forscher mit keinerlei statistischen Verfahren erklären. Schlußendlich kamen sie dazu, verzweifelte Maßnahmen zu ergreifen. Sie haben sich tatsächlich dazu herabgelassen, die Frauen nach einer Erklärung zu bitten.
Der Fall ist ausführlich in dem fesselnden Werk Building Cross-Cultural Competence, How to Create Wealth from Conflicting Values, Wiley, 2000, von Charles Hampden-Turner und Fons Trompenaars beschrieben. S. 216 - 222. Auf Seite 219 ist die Antwort auf die oben gestellte Frage:
"Wir haben keine Vorgesetzten!" Sie sagten den Forschern, "Wir werden wie Menschen behandelt." "Immer wann wir mit Ihnen reden, hören sie auf uns." "Wir mögen einander."
Hampden-Turner und Tompenaars arbeiten das Thema aus und beschreiben die Gruppendynamik und Motivationsfaktoren, die zu der Rekordleistung geführt hatten. Aber die Verfasser fahren betrübt fort (S. 220 f.)
"Das Hawthorne Experiment hat eine traurige Folge. Das Buch darüber Management and the Worker wurde ein Bestseller.5 . . . Western Electric heischte 50% der Tantiemen und bekam sie, mit der Begründung, die Firma sei der Gastgeber für die Forschung gewesen. Insoweit die Mädchen anbelangt sind, die allen die Antworten gegeben hatten, sie bekamen gar nichts. Die Moral ist, man kann ein Pferd zu Wasser führen, aber man kann es nicht daran verhindern, Deinen Anteil zu trinken und danach in das Wasserloch zu pissen."
"Touchy-feely" liebvolles Blumenkind-Management ist nicht Ihren Stil? Sie sagen wo es lang geht, Schluß, Punkt, fertig. Diese Art ist manchmal eindeutig nötig, unter anderem bei Sanierungsmanagement. Denn werden Sie die Bettkantenfabel auf der Unterseite herzlich begrüßen: "A Bedtime Fable for Turnaround CEOs, Disgruntled Staff and Disappointed Customers."
II. Die Leasen oder Kaufen Entscheidung
Ein interessanter Ansatz (als 32-seitige pdf) mit einem deutschen Beispiel ist:
“Leasing versus Kreditkauf: Die richtige Entscheidung unter Berücksichtigung von Steuern" Dezember 2003 von Edwin O. Fischer und Susanne Lind-Braucher. Der erste ist o. Univ.Prof. am Institut für Industrie und Fertigungswirtschaft, Karl-Franzens-Universität Graz und die zweite Universitätsassistentin am Institut für Industrie und Fertigungswirtschaft derselben Universität.
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1 © Das Zitat ist von Bridges, das Foto "Under the bridge" von Corrina De Marchi, www.vagabondando.it Flickr, Getty Images FKF 85983958 (11 Apr 2011)
2 Global ant © Alexander Kaplun, Dreamstime.com, ID 5263149
3 Strong ant © Idesign2000, Dreamstime.com, ID 26054904
4 Die Geschäftsführerin von Slideshare, mit Hauptsitz in San Francisco und einem Büro in Neu-Delhi, Indien, ist Rashmi Sinha, die an der Brown Universität in Psychologie promovierte (PhD). Die Firma wird von dem Wagniskapitalgeber Guy Kawasaki von Garage Tech Ventures beraten. Slideshare teilt Präsentationen (pdf, PPT, Video und Webinar) und ist dafür die größte Webseite weltweit. Sie ist sogar eine der 250 am häufigsten besuchten.
5 Es gibt zahlreiche zeitgemäße Bücher in Englisch über die Motivation. Zwei auf deutsch sind:
- Drive, was sie wirklich motiviert, 2010, Daniel H. Pink, übersetzt von Drive, The Surprising Truth About What Motivates Us, 2009.
- Wie die Freude am Fahren verloren ging: Lügenmärchen und "wahre" Fakten über die Motivation, 2012, Gerhard Etzel und Hans U. von Mönche.
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